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Aktuelles, Nationales Bildungsforum / 13. November 2025

Thesenpapier Nationales Bildungsforum 2025

Auf dem Nationalen Bildungsforum 2025 diskutierten Expert*innen aus Bildungsforschung, Bildungspolitik und Bildungspraxis darüber, wie Erkenntnisse, Entscheidungen und konkretes Handeln stärker miteinander verbunden werden können. Aus den vielfältigen Beiträgen und Perspektiven entstanden zentrale Thesen und Empfehlungen, die Wege zu einem neuen Miteinander aufzeigen: Wie lässt sich Wissen verlässlich in wirksames Handeln überführen? Welche gemeinsamen Strukturen braucht ein Bildungssystem, das lernfähig bleibt und Verantwortung teilt? Mit diesem Thesenpapier möchten wir erste Antworten geben und Impulse für ein kohärentes, handlungsorientiertes Bildungssystem setzen.

Vom Erkennen zum Handeln und zurück – Für ein neues Miteinander von Bildungsforschung, Bildungspolitik und Bildungspraxis

Zu diesem Thema versammelten sich über 90 Expert*innen aus Wissenschaft, Bildungspolitik und -verwaltung, Schulaufsicht und Landesinstituten, Bildungspraxis, Stiftungen sowie Medien. Trotz intensiver Bildungsforschung und zahlreicher Bildungsprogramme von Bund und Ländern werden die Bildungsergebnisse nicht besser, denn: Wissen wird gegenwärtig kaum in Handeln umgesetzt, Transformationswissen und -prozesse sowie Implementierungsstrategien fehlen vielfach. Ein kohärentes Miteinander aller Akteure im Sinne einer Verantwortungsgemeinschaft ist nur punktuell erkennbar, Wissenstransfer wird eher als Einbahnstraße statt als Ko-Konstruktion mit der Praxis verstanden. An der Reformfähigkeit des Bildungssystems entscheidet sich jedoch mit, ob die Bundesrepublik als föderal organisierter Staat insgesamt reformfähig ist. Dass eine wachsende Zahl von Bürger*innen nicht mehr daran glaubt, ist eine Gefahr für unsere Demokratie! Der Vorbereitungskreis zum 8. Nationalen Bildungsforum fasste die Diskussionen in Thesen zusammen.

Direkt zum Thesenpapier

6 Thesen zum Zusammenspiel von Forschung, Politik und Praxis – Herausforderungen und Impulse

These 1 – Transformation im Mehrebenensystem der Bildung

Immer mehr Akteur*innen im Schulsystem sehen die Dringlichkeit von Veränderungen und sind grundsätzlich bereit dazu. Ein abgestimmtes Miteinander im föderalen Mehrebenensystem Bildung scheitert jedoch häufig an der Vielzahl der Akteur*innen mit unterschiedlichen Steuerungsvorstellungen und Umsetzungsmöglichkeiten. Handlungsebenen sind hierarchisch gebunden, aber zu wenig inhaltlich verbunden. Dadurch wirken Reformen nicht kohärent.

Was sollte sich ändern? Künftig braucht es neben Raum und Zeit klar definierte Prozesse für eine akteursübergreifende Zusammenarbeit. Die Arbeit an den Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Praxis stellt hohe Anforderungen an deren Professionalität. Deutlich wird dies zum Beispiel im Bereich der datengestützten Schulentwicklung, für den die Akteur*innen qualifiziert werden müssen. Um Verständigung zu erzielen, müssen Rollen geklärt und implizite Steuerungsannahmen explizit gemacht werden. Prozessverantwortlichkeiten sind zu klären und gemeinsame Ziele zu definieren.

 

These 2 – Wissenschaftliche Politikberatung

Seit vier Jahren berät die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) die Kultusministerkonferenz (KMK) bei der Weiterentwicklung des Bildungswesens. Sie hat in dieser Zeit zahlreiche Gutachten, Stellungnahmen und Impulspapiere veröffentlicht. Die Empfehlungen unterscheiden sich allerdings bezüglich Aufnahme und Umsetzung. Eine prägende Wirkung hatte das Gutachten zur Grundschule [*]. Unter anderem wegen der klaren Empfehlungen zur Förderung von Basiskompetenzen in Deutsch und Mathematik wurden sie vielerorts umgesetzt.

Die Unabhängigkeit der SWK und die gemeinsame Themenfindung mit der KMK sind wichtige Voraussetzungen für eine ertragreiche Beratung. Dennoch könnte eine Reduzierung und stärkere Priorisierung der Empfehlungen die Wirksamkeit dieser Politikberatung deutlich erhöhen. Ebenso sollte die SWK die Adressat*innen ihrer Vorschläge genauer benennen und Empfehlungen für Folgeprozesse geben. Es wäre wünschenswert, die Vorschläge gleichzeitig an eine breitere Fachöffentlichkeit besser zu vermitteln.

Damit die Empfehlungen über Beschlüsse in der Bildungsministerkonferenz (BMK) in den Ländern umgesetzt werden können, fehlt ein im Vorhinein festgelegter strategischer Prozess. Die Verantwortung für diesen Prozess wie für die langfristige Nachverfolgung der Ergebnisse liegt bei der KMK, insbesondere beim Sekretariat. Aber auch in den Ländern braucht es klare Prozessstrukturen, wie man die Empfehlungen der SWK – wie auch Vorschläge anderer Einrichtungen der wissenschaftlichen Politikberatung (Nationaler Bildungsbericht, PISA, Wissenschaftsrat u.a.) – aufgreifen will.

 

These 3 – Bildungsforschung

Die empirische Bildungsforschung hat in den letzten 25 Jahren in Deutschland stark an Bedeutung zugenommen. Zahlreiche internationale (PISA, TIMSS etc.) und nationale Studien (Ländervergleiche, Bildungsberichte u.a.) liefern mit ihren Daten Wissen für eine bessere Steuerung. Die durch das Monitoring aufgedeckten Probleme führten zu einer weiteren Förderung der Bildungsforschung. Sie hat mittlerweile viel hilfreiches Erklärungswissen produziert. Gleichzeitig fehlt es an Veränderungs- und Umsetzungswissen zur Lösung der Probleme.

Um die Erkenntnisse der Bildungsforschung wirksamer werden zu lassen, braucht es mehr Implementations- und Transferforschung. Nur dann kann empirische Bildungsforschung langfristig eine hilfreiche Rolle bei evidenzorientierter Politikberatung und Programmbegleitung spielen. Die Forschungslogik „Vom Beschreiben über das Erklären zum Verändern und Umsetzen“ verlangt andere Strategien, Zeiträume, Partner und Aufwand.

Hier sind auch die Scientific Community sowie die Forschungsfinanzierenden (BMBFSFJ, DFG und auch Stiftungen) gefragt. Sie müssen – neben Publikationen in internationalen Journalen – andere Formen wissenschaftlichen Erfolgs anerkennen und belohnen, insbesondere den Transfer von Erkenntnissen in die Praxis. Dafür braucht es entsprechende Förderformate wie Transferforschungspreise, andere Denomination von Professuren, Nachwuchsprogramme oder attraktive außerakademische Karrieremodelle. Die Wissenschafts- wie die Bildungsminister*innen im Bund und in der KMK sollten sich diesem Ziel gemeinsam verpflichten.

These 4 – Startchancenprogramm

Das Startchancenprogramm ist mit 10 Milliarden Euro des Bundes, etlichen Ressourcen der Länder und zehn Jahren Laufzeit das größte Bildungsprogramm in der Geschichte Deutschlands. Zehn Prozent aller Schulen sollen damit erreicht werden. Explizites Ziel ist es, den Anteil der Schüler*innen, die die Mindeststandards in Mathematik und Deutsch nicht erreichen, zu halbieren. Gleichzeitig soll das Programm die datengestützte Schulentwicklung sowie die Professionalisierung des Personals fördern. Für das Schulsystem insgesamt erhofft man sich neue Formen der Zusammenarbeit – Bund, Länder und Kommunen, Politik und Schulverwaltung – und damit mehr Kohärenz im Handeln.

Hier setzt auch die insgesamt mit 100 Millionen Euro finanzierte wissenschaftliche Begleitung des Programms an. Der CHANCEN-Verbund will Schulen nicht direkt beraten. Vielmehr soll das Startchancen-Programm dazu dienen, die Lernfähigkeit des Schulsystems insgesamt zu erhöhen – weg von Insellösungen, über einzelne Leuchtturmschulen hinaus. Damit all dies gelingt, müssen alle Akteure über ihre Binnenlogik hinausdenken und einer Systemverantwortung gerecht werden. Datengestützte Qualitätsentwicklung muss dabei als grundlegendes Prinzip durch die Länder auf allen Ebenen verankert werden.

Die im Startchancenprogramm verankerte sozialräumliche Orientierung ist erfolgskritisch und setzt eine regelmäßige, systematische und zielgerichtete Abstimmung mit kommunalen Akteuren wie der Jugendhilfe voraus. Das in vielen Städten, Gemeinden und Landkreisen in den letzten Jahren verbesserte, datenbasierte kommunale Bildungsmanagement liefert dafür eine gute Grundlage. Allerdings müssen die Barrieren für eine rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit dringend beseitigt werden.

These 5 – Prozesssteuerung und Moderation

Das Zusammenspiel von Akteur*innen unterschiedlicher Hierarchiestufen oder Tätigkeitsfelder im Schulsystem wird, wenn es um Reformen geht, oft als schwierig und aufwändig erlebt. Komplexe Multi-Stakeholder-Prozesse bringen verschiedenste Akteur*innen in ihren jeweiligen Rollen, Handlungslogiken und Aufgaben zusammen. Damit solche Prozesse gelingen, sollten Akteur*innen identifiziert werden, die pragmatisch, lösungsorientiert, entscheidungsbereit und mit kritischem Blick diese Prozesse vorantreiben. Dafür werden neben den fachlichen Kompetenzen auch Erfahrungen bei der Projektsteuerung und Moderation benötigt.

Grundsätzlich braucht es erfahrene – interne und ggf. externe – Prozessmanager*innen oder Moderator*innen zur Gestaltung der komplexen Prozesse in der Transformation des Bildungssystems.

 

[*] Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK): Basale Kompetenzen vermitteln – Bildungschancen sichern. Perspektiven für die Grundschule (9.12.2022).

Thesenpapier Nationales Bildungsforum 2025

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Ihr Ansprechpartner

Stephan Dorgerloh

Als Strategieexperte und Moderator mit jahrzehntelanger Erfahrung führt Stephan Dorgerloh (er/ihm) Stiftungen wie Unternehmen durch komplexe Prozesse inhaltlichen und organisatorischen Wandels. Als früherer Kultusminister von Sachsen-Anhalt ist er erster Ansprechpartner für unsere Kernthemen Bildung und Demokratie, Kultur und Politik. 2018 gründete er das Nationale Bildungsforum, um dem Wissenstransfer aus Wissenschaft, Praxis und Politik eine jährliche Plattform zu geben.

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